Mein Wunder!

Mama Lupo, 2017-08-19

28. November – da liegt es jetzt vor mir – mein erstes kleines Wunder. Lang und dünn, sodass keine Windel die Nässe halten kann, weil diese bei jedem Piseln seitlich an den Beinen entlang den Weg nach draußen findet. Draußen ist dort, wo eigentlich der Strampler ist und so muss Raphael sehr oft umgezogen werden. Sein hellblonder Flaum, der wie bei einem Orang Utan Baby vom Kopf steht und seine grau-grün-blauen Augen machen ihn noch spezieller. - ZUM WEITERLESEN BITTE AUF DEN TITEL KLICKEN!

Eigentlich hätte er an meinem Geburtstag zur Welt kommen sollen, da er aber einen eigenen Ehrentag haben wollte, kam er einfach 13 Tage später. Man(n) gönnt sich ja sonst nichts. Und frei nach dem Motto „ Wenn schon, denn schon“ entschied er sich für eine Vollmondnacht, in der weiter 10 Kinder beschlossen, das Licht der Welt zu erblicken. Deren Mütter mutierten in selbiger, wie uns einige mittelklassige Horrofilme vermitteln wollen, tatsächlich zu Werwölfen und anderen zwielichtigen Gestalten, die fluchten, schimpften, traten und das gesamte Krankenhaus zusammen schrien . Die einzige Ablenkung dazu war meine eigene Situation. Sohnemann machte es super spannend und kam kurz vor Schichtende, sodass ich in den Genuss der bereits abgerackerten Ärzte und Hebammen kam, die nur noch vom Geschreie der Mami’s in den Nebenräumen flüchten wollten.

 

Aber dann war er da – mein Wunder! Ein komplettes Lebewesen, das aus mir rausflutschte und perfekt schien (am Anfang weiß man es ja noch nicht besser!) Da lag er nun auf meinem Bauch und für nichts auf der Welt, hätte ich ihn wieder hergeben wollen. Okay! Die Erstversorgung kam dazwischen  - messen, wiegen und baden. Danach wieder schnell zu mir. Nach 2 Stunden am Gang, die ich damit verbrachte, die Nachwehen meiner Leidensgenossinnen mitzuverfolgen („aaaaaaaaaaaaahhhhhhhhh“) durfte auch ich meinen hygienischen Verpflichtungen nachkommen. Ein Akt, der nach der Geburt von großer Wichtigkeit ist.

 

Dafür zugeteilt, weil ja schon die neue Schicht, wurde mir ein max. 18jähriger Praktikant, damit mir in den Duschen auch nicht passiert. WHAT?! Ich habe gerade stundenlang ein Kind aus mir raus gequetscht, mein Bauch hängt (vorher noch prall gefüllt) luftleer an mir runter, ich stinke wie ein Iltis und soll nun nackt vor dem Bengel ins Bad!? Never ever! Ich winke ab, trete den Weg alleine an, stelle die Dusche an und …. Mir wird grauenhaft schwindelig und ich rufe nun doch den Burschen, der mit einem Sessel heraneilt. Mein Held!

 

Danach geht es mir wunderbar, alle Scham ist vergessen und ich werde in mein Zimmer zurück gebracht. Nur einige Minuten später ist er wieder da – mein Sohn. Das wunderbare Wesen, das aus mir geschlüpft ist. Die Welt ist in Ordnung, für ihn und für mich!

Er macht es für mich möglich die Umgebung zu vergessen, in der die Bettnachbarin an einer pränatalen Depression leidet und die Krankenschwester im Minutentakt nach meinen Ausscheidungen von hinten und vorne fragt und zu jedem unpassenden Moment ins Zimmer platzt. Wir gehörten jetzt zusammen <3!

 

Bis nächste Woche,

 

Eure Kanga Mama Lupo